KRITIK: Midsommar | Ein Horrorfilm komplett im Hellen?

In Midsommar geht es um Dani, ihrem Freund Christian und dessen Freunde Pelle, Josh und Mark, die alle zusammen nach Schweden fliegen, um an dem Midsommar-Fest von Pelles Gemeinde teilzunehmen. Auf dem Fest passieren dann seltsame Dinge und nach und nach verschwindet ein Freund nach dem Anderen…

 

Die Story ist zwar in einigen Punkten ein wenig vorhersehbar, aber das ist meiner Meinung nach ein Standard-Horrorfilm-Problem. Ansonsten ist sie trotzdem ziemlich gut und clever geschrieben und die folgenden Punkte machen das auf jeden Fall wieder wett.

 

Die Schauspielleistungen sind von allen Darstellern in dem Film sehr überzeugend, aber gerade die Leistung der Hauptdarstellerin Florence Pugh, die Dani spielt, möchte ich besonders hervorheben, weil sie es super schafft, das ganze Leiden, das sie erfährt, zu zeigen.

 

Der ganze Film kommt fast komplett ohne Dunkelheit und Jumpscares aus und baut trotzdem eine bedrückende Atmosphäre auf, indem Kameramann Pawel Pogorzelski Bilder einfängt, die durch ihre Symmetrie und Zentrierung bedrohlich wirken, aber gleichzeitig wunderschön sind. Die Atmosphäre ist nicht so angespannt, wie beim Erstlingswerk Hereditary von Ari Aster, da Midsommar eher weniger die Horrorrichtung einschlägt. Zu schockieren weiß Midsommar allerdings genauso sehr, wenn nicht sogar noch mehr, als Hereditary. Und somit brennen sich auch hier wieder so manche Bilder in die Netzhaut ein. Denn durch die Helligkeit des ganzen Filmes werden z.B. Verletzungen nicht in der Dunkelheit versteckt, sondern es wird mit der Kamera direkt draufgehalten.

 

Die Musik ist oft sehr aufdringlich und prägnant, was sehr viel zur Spannung und Atmosphäre beiträgt. Und häufig sind das auch genau die Momente, wo die Musik auch wirklich von Personen im Film gespielt wird. Somit verspüren auch die Hauptfiguren in dem Moment das unangenehme Gefühl. Die Musik fühlt sich deshalb auch zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt an, sondern passt immer in die Abgedrehtheit des Festivals hinein.

 

Fazit

Midsommar ist für mich einer der besten Filme des Jahres, der mit wunderschönen und zugleich schockierenden Bildern zu überzeugen weiß. Er wird einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Es kann vielleicht nicht jeder etwas mit diesem Film anfangen, aber einen Blick sollte man auf jeden Fall riskieren. Wer aber einen wirklich gruseligen Horrorfilm wie Hereditary erwartet, wird eventuell enttäuscht werden.

 

Mein Kinoerlebnis

Der Film wurde in einer Sneak Preview 7,5 Wochen vor dem offiziellen deutschen Kinostart gezeigt. Als dann alle festgestellt haben, dass es Midsommar ist, den wir sehen werden, war die Stimmung super. Während des Films hatte der ganze Saal, zumindest am Anfang, sehr viel Spaß und hat viel gelacht. Ab der Hälfte kamen dann langsam die Schocker-Szenen und alle haben zusammen gelitten. Nach dem Film gab es direkt rege Diskussionen. Das war definitiv eines meiner besten Kinoerlebnisse. Es hat einen riesen Spaß gemacht, den Film mit so vielen gut gelaunten Menschen zu schauen.

 

Und am Ende gab es noch das Highlight-Zitat von der Frau neben mir: „Ich kann nie wieder Blumen sehen, ohne an diesen Film zu denke“ Daraufhin hat sie direkt am Anfang des Abspanns den Saal verlassen, weil dort Blumen zu sehen waren.

Und ich finde das beschreibt diesen Film nochmal sehr gut.  Selbst eine so schöne Sache wie eine Blume verwandelt er in etwas Verstörendes, sodass Blumen plötzlich nicht mehr schön wirken.

0.00
9.3

Story

8.0/10

Schauspiel

9.0/10

Kamera

10.0/10

Inszenierung

10.0/10

Sound

9.5/10

Pros

  • Tolle Atmosphäre
  • Wunderschöne & bedrückende Kameraarbeit
  • Sehr witziger schwarzer Humor
  • Super Schauspielleistung
  • Clever geschrieben
  • Bleibt einem lange im Kopf

Cons

  • Story teilweise vorhersehbar
  • Kein sonderlich gruseliger Film

geschrieben am: 4. August, 2019 um 4:22 pm

Autor:

Franzi">

Franzi

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