KRITIK: Big Bad Wolves | Ein Film, den Sie nie wieder vergessen werden!

Ein Kind wird entführt, getötet und geköpft. Wer war der Täter? Wer trägt die Schuld? Wer bekommt die gerechte Bestrafung? Darum geht es in Big Bad Wolves. Wie der Psycho-terror ist, verrate ich euch in der nachfolgenden Kritik

 

INHALTSANGABE

Micki (Lior Ashkenazi) arbeitet bei der Mordkommission und verhaftet eines Tages den ruhigen und unauffälligen Lehrer Dror (Rotem Keinan), von dem vermutet wird, dass er mehrere junge Mädchen entführt, misshandelt und schlussendlich getötet hat. Nachdem Mickis Chef dahinterkommt, dass dieser bei den Verhören des Verdächtigen Gewalt angewendet hat, versetzt er Miki kurzerhand zurück in den Streifendienst. Da außerdem ein Video der Misshandlung an die Öffentlichkeit gerät, muss Dror wieder freigelassen werden. Kurz darauf wird ein weiteres Mädchen ermordet. Micki ist nun endgültig überzeugt davon, dass Dror der Täter ist und beschließt diesen auf eigene Faust der Gerechtigkeit zuzuführen. Er tut sich mit Gidi (Tzahi Grad) zusammen, dem Vater des letzten Opfers: Sie entführen Dror…

KRITIK

In meinem Leben habe ich viele Filme gesehen, die mir einen Schauer über den Rücken gejagt haben. Big Bad Wolves ist einer der Filme, die es geschafft haben mir nicht nur den Schauer über den Rücken zu jagen, sondern auch mich massiv zu schockieren und zu verstören.

Das funktioniert besonders gut durch die höllisch bedrohliche Atmosphäre des Filmes. Der Film fängt mit alarmierende Musik an, die so laut aufgedreht ist, dass es einem die Fußnägel nach oben klappt. Auch der immer wieder durchkommende Humor innerhalb des Filmes trägt zur Bosheit des ganzem bei. Alles wirkt ausgeklügelt, die Taten wirken bis in jedes kleine Detail geplant. Das legt sich direkt auf den Zuschauer und schafft es allein durch die Atmosphäre zu greifen und nicht mehr los zu lassen.

Besonders gut gefallen hat mir die Geschichte des Filmes und dessen Inszenierung. Wenn wir ehrlich sind, ist die Geschichte des Filmes im Grunde recht konventionell. Das Besondere aber, sind die kleinen Twists und Wendungen, die der Film einbaut. So kommen Charaktere dazu und foltern einfach mit, weil sie gerade Lust dazu haben. Geräte werden verwendet von denen man denkt, dass sich die Macher gar nicht trauen das wirklich zu benutzen. Inszenatorisch setzt der Film auf viele unerwartete Momente, die die Spannung bis ins unermessliche hoch treiben. Ganz besonders die erste Hälfte, bevor die eigentliche Folter los geht, hat eine Intensität an sich, die man schlecht wieder aus dem Kopf bekommt. Ganz besonders an der ersten Hälfte ist, dass die Charaktere alle so vorgestellt werden, dass sie den Zuschauern ans Herz wachsen, auch wenn wir wissen bzw. denken, was für Dreck sie am stecken haben. Für Tiefgang ist in diesem Film auf jeden Fall gesorgt.

…und da kommen wir ohne künstlichen Übergang zum Thema Schauspielerei. Hier haben wir eher unbekannte israelische Schauspieler, die aber absolut großartig aufspielen, sodass sie sich nicht vor dem internationalen Markt verstecken müssen. Lior Ashkenazi z.B. spielt einen Polizisten, der in seiner Karriere schon so einige viele Sachen falsch gemacht hat. Durch ein YouTube Video von ihm und anderen Kollegen, in dem sie einen verdächtigen Vergewaltiger zusammen schlagen, wird er von seinem Job suspendiert. Von da an liegt er die ganze Zeit auf der Lauer, um zu beweisen, dass dieser Mann der Mörder und Vergewaltiger des verschwundenen Mädchens ist. Seine Rolle ist von Ergeiz, Hass und Wut geprägt. Die Wut und der Hass kommen in wenigen Momenten wirklich durch. Sein Hauptanreiz ist es, zu beweisen, dass der Verdächtige wirklich der Mörder und Vergewaltiger des Mädchens ist, um seinen Job wieder zu bekommen. Doch leider rutscht er immer weiter in die Spirale der Gewalt ab und wird bald selber zum Täter. Seine Rolle ist so gesehen, die Hauptrolle des Filmes. Durch ihn wird uns die ganze Geschichte erzählt. Dadurch ist unsere Sympathie am meisten mit ihm. Auch durch sein wirklich gutes Spiel, in sehr vielen unterschiedlichen Momenten, wirkt seine Rolle immer ernst zu nehmend, ehrlich und real. So haben wir nie das Gefühl, dass wir uns in einem Film befinden, sondern das alles wirklich so passiert ist. Genau so soll eine schauspielerische Leistung auch sein.

Dann haben wir da noch Rotem Keinan, der den verdächtigen Vergewaltiger spielt. Er wird in dem YouTube Video von den Polizisten zusammen geschlagen und schlussendlich nach Hause gebracht. Doch auch wenn er in dem Video das Opfer ist, so wird er außerhalb an den Pranger gestellt. Unter seinen Schülern gilt er als Pädophil und als Vergewaltiger. Nach andauernden Vorwürfen wird auch er schlussendlich aus seinem Job geworfen. Seine Rolle ist von Anfang an sehr tragisch inszeniert, so dass wir mit ihm am meisten Mitleiden. Das Problem ist, wir vermuten im Laufe des Filmes nur, dass er wirklich der Vergewaltiger und Mörder des Mädchens ist. Wissen tun wir das aber nicht. Heißt, wir stehen immer zwischen den Schranken und können uns als Zuschauer nicht wirklich entscheiden, ob er es jetzt verdient hat oder ob er Unschuldig ist und die, die ihn Foltern die wahren Täter sind. Seine Rolle hat mir im Film tatsächlich am besten gefallen, da er der der emotionale Ankerpunkt für den Zuschauer darstellt und diesen auch fehlerfrei darstellt. Wäre er nur in einem kleinen Moment unglaubwürdig, hätte es den Tot dieses Filmes bedeutet.

Zu guter letzt haben wir noch Tzahi Grad, der den Vater des toten Mädchens spielt. Er möchte nicht mehr als den Tot des Mörders, und den Aufenthaltsort seiner toten Tochter erfahren. Durch diesen Willen angetrieben verschleppt er den mutmaßlichen Vergewaltiger und foltert ihn bis zum Äußersten. Bewusst halte ich mich mit dem weiteren Verlauf des Filmes immer zurück. Denn besonders die zweite Hälfte wartet mit extremen Überraschungen, die man auf jeden Fall selber erfahren sollte. Seine Rolle aber hat mir am wenigsten gefallen. Klar wir wissen, dass er ein wütender Vater ist, der Rache an seiner Tochter nehmen will. Jedoch hätte etwas mehr Tiefe nicht schaden können. Seine Rolle wird so eingebaut, dass wir als aller erstes denken er sei der eigentliche Vergewaltiger, der nur ein Haus kauft, um dort die Kinder umzubringen. Seine Rolle lotst uns zwar immer auf die falsche Fährte, doch seine Motivation ist etwas zu plakativ und oberflächlich. Etwas mehr hätte man von seiner Rolle schon erwartet.

Ich möchte noch einmal kurz über die Musik reden. Wie ich im ersten Absatz schrieb, ist die Musik im Film sehr dominierend und wird besonders dann extrem Laut, wenn harte, fiese oder überaus brutale Momente gezeigt werden. Die Musik hat mir deswegen so gut gefallen, weil sie eigenwillig ist, sich perfekt an die Momente des Filmes anpasst und alles gekonnt untermalt, ohne zu sehr auf die Nerven zu gehen. Viele Filme haben das Problem mit der Musik zu nerven, Big Bad Wolves schafft es, perfekt die verstörenden Momente zu begleiten und sie noch kranker und bedrohlicher zu machen.

FAZIT

Big Bad Wolves ist ein kosequnter, brutaler und äußerst verstörender Schocker, der sich wie ein Virus im Kopf des Zuschauers einnistet und dort wochenlang verweilt. Der Film verlangt es vom Zuschauer Momente zu ertragen, die wir so nie hätten sehen wollen. Die Charaktere sind hervorragend geschrieben und von großartigen Schauspielern gespielt. Nur die Rolle des mordlüsternten Vaters hätte man noch ideenreicher inszenieren können. Am Ende bleibt aber nur zu sagen, dass Big Bad Wolves nur etwas ist für Leute, die sich austesten möchten und oder auf extrem harte und Happy End freie Horror-Schocker der Extraklasse stehen.

 

7.9

Story

7.0 /10

Schauspiel

7.5 /10

Kamera

7.5 /10

Inszenierung

8.5 /10

Sound

9.0 /10

Pros

  • Extrem verstörend
  • Tolle schauspielerische Leistung
  • Kameraarbeit auf einem guten intenationalem Niveau
  • Atmosphäre zum zerschneiden dicht
  • Die Filmmusik ist absolut großartig
  • In keinem Moment unglaubwürdig
  • Kurzweilig
  • Konsequent zuende erzählt

Cons

  • mordlüsternder Vater hätte mehr Ideenreichtum verdient

geschrieben am: 12. Dezember, 2017 um 9:28 pm