KRITIK: Battle of the Sexes | Feministisches Plädoyer für Gleichberechtigung

 Im vergangenen Jahr gewann Emma Stone den Golden Globe und den Oscar für die beste Hauptrolle in La La Land. Für Battle of the Sexes könnte sie ihren zweiten Globe und Oscar gewinnen. Wie mir der Film aber insgesamt gefallen hat, werde ich euch in der nachfolgenden Kritik verraten.

 

INHALTSANGABE

1973 befindet sich die Profi-Tennisspielerin Billie Jean King (Emma Stone), als Weltranglistenerste, auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere. Doch die vielen Turniersiege und der Ruhm sind nicht alles für sie, denn King, die weit mehr als nur Freundschaft für ihre Vertraute Marilyn Barnett (Andrea Riseborough) empfindet, setzt sich außerdem mit Vehemenz für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Bobby Riggs (Steve Carell) hingegen hat seine besten Jahre schon lange hinter sich und außerdem mit seiner Spielsucht zu kämpfen. Der ehemalige Champion möchte es noch einmal wissen und den Ruhm alter Tage wieder aufleben lassen. Dazu ist er sogar bereit, seine ganze Reputation aufs Spiel zu setzen. In der Öffentlichkeit vertritt er bezüglich der Geschlechterdebatte die entgegensetzte Meinung zu der von King und so kommt es zum unvermeidlichen Zusammenprall in einem Tennismatch der Geschlechter, das als „Battle Of The Sexes“ in die Geschichte eingehen soll.

KRITIK

Um es vorweg direkt zu sagen: Battle of the Sexes ist ein Aufschlag direkt ins Schwarze. Geschichtlich ist der Film nämlich ein großartiges Meisterwerk, was jedem Zweifel erhaben ist. Der Film lässt keine wichtigen Details liegen und zeichnet ein glaubhaftes Bild der realen Charaktere ab. Geschichtlich ist der Film äußerst nah an den wahren geschichtlichen Geschehnissen. So wird ihr Austritt der World-Team-Tennis-League gezeigt, der Moment, in der sie merkt das sie lesbisch ist und der eigentliche Kampf gegen Bobby Riggs wird auf extrem unterhaltsame Weise dargestellt. Das großartige an dem Drehbuch ist, dass es sich trotz kleinen Freiheiten absolut real und nicht gekünstelt wirkt. Sowas ist bei vielen geschichtlichen Filmen nicht mehr wirklich der Fall, da immer etwas eingebaut werden muss, was den Zuschauer ins Kino lockt. Battle of the Sexes ist das im Grunde egal und kreiert ein, sich sehr an der realen Vorlage haltendes, Stück Filmgeschichte.

Über die darstellerische Leistung müssen wir hier gar nicht weiter reden. Battle of the Sexes wird auf jeden Fall für den besten Hauptdarsteller und für die beste Hauptdarstellerin für den Oscar nominiert. Da muss man nicht viel drum rum reden. Was die Schauspieler hier abliefern ist echte Königsklasse. Emma Stone als Billy Jean King macht ihren Job auf jeden Fall absolut großartig. Wie sie jede Fassette dieser Sportlerin glaubhaft und emotional rüber bringt ist atemberaubend. Der Moment, in dem sie sich in in eine Frau verliebt und wir in Emma Stones Augen dieses glänzen und die Liebe spüren, lässt einem Gänsehaut über den Körper jagen. Auch ihren Ehrgeiz ist toll in Szene gesetzt. Ihren Willen Bobby Riggs unter jeden Umständen zu besiegen, einfach um ein Zeichen zu setzen, legt sich sofort auf den Zuschauer. Gemeinsam mit ihr fiebern wir den ganzen Film mit und hoffen inständig, dass sie den Kampf gewinnt.

Doch da gibt es auch noch Steve Carrell, als Bobby Riggs, der sich ebenfalls Hoffnungen auf eine Oscar Nominierung machen darf. Als chauvinistisches Arschloch machte sich dieser Sportler vor dem großen Kampf gegen Billie Jean King einen Namen. Carrell zeichnet diesen Mann in halber Perfektion ab. Wir lernen ihn zu hassen, aber wir lernen ihn auch lieben. Trotz dessen, dass er ein absolutes Arschloch ist. Im inneren hat er doch einen guten Kern. Als das geht von seiner Rolle aus und lässt uns immer wieder hadern. Wollen wir ihn jetzt lieben oder hassen? Tut er nur so oder ist er wirklich ein beschissener Wichser? Mit was für einer Lockerheit und Eleganz er diese Person rüber bringt ist fast schon beängstigend realistisch. Wenn man sich Videos von dieser Person ansieht, wirkt es fast schon als ob Carrell diese Rolle so verinnerlicht hat, das er Bobby Riggs geworden ist. So wie es Jim Carrey damals bei dem Film “Der Mondmann” gemacht hatte. Wenn Carrell nicht endlich hierfür seinen Oscar gewinnt, dann weiß ich aber auch nicht.

Dann kommen wir einmal zum Look des Filmes. Battle of the Sexes ist in den 70er Jahren angesiedelt und versucht auch diese Zeit so gut wie möglich spürbar zu machen. Doch hier hat Battle of the Sexes ein kleines Problem, was den eigentlich fehlerfreien Eindruck etwas trügt. Zwar sieht alles wirklich großartig aus und es wurde sich mühe gemacht, alles so detailgetreu nachzubauen und nachzustellen, wie es irgendwie geht. Doch trotzdem wirkt Battle of the Sexes nicht wie ein Film der in den 70ern spielt, sondern eher ein Film über die 70er. So wirkt es manchmal etwas wie eine Homage anstatt wie ein in der Epoche angesiedeltes Drama. Dieses Gefühl kommt jedoch nur selten auf und lässt sich daher gekonnt Ignorieren, da der Rest des Filmes in allen belangen mehr als gelungen ist.

Inszenatorisch weiß “Battle of the Sexes” trotz minimaler Längen zu überzeugen. Uns werden die Charaktere so vorgestellt, dass wir immer einen emotionalen Ankerpunkt haben. Auch wenn sich die Handlungsstränge des Filmes immer wieder abwechseln. So sehen wir immer mal wieder was Billie Jean gerade macht, dann kommt wieder etwas zu dem Leben von Bobby Riggs. Es wird sich sehr viel Arbeit darum gemacht den Charaktere genug Zeit zu geben sich zu Entwickeln und die Sympathie des Zuschauers zu gewinnen. Emotionale Spitzen innerhalb des Filmes gibt es natürlich auch. Besonders dann wenn es um das Ergründen der eigenen Sexualität geht. Besonders die Szenen zwischen Billie Jean und ihrer späteren Lebenspartnerin Illana Kloss sind mit einer enormen Intensität inszeniert, die auch noch lange nach dem schauen im Kopf bleibt. Natürlich müssen wir auch etwas zu dem eigentlichen Match der Giganten reden. Wenn es ein Film schafft, dass wir als Zuschauer sowohl für die Herausforderin, als auch für den Gegner sind muss schon einiges richtig gelaufen sein. Dank der Erläuterung der Charaktere im Vorfeld des Matches fiebern wir immer wieder mit beiden Spielern mit. Klar Billie Jean King ist für uns immer die Person, auf die wir hoffen. Doch auch für Bobby Riggs hegen wir kleinere Hoffnungen. So freuen wir uns wenn Billie Jean ein Punkt macht und wenn Bobby Riggs einen Aufschlag versemmelt. Sobald er aber immer wieder die Schläge ins aus hämmert, wächst unsere Hoffnung, dass er doch mal wieder etwas trifft und Punkte macht. Es ist also im Finalen Match sehr ausgeglichen und lässt den Zuschauer aussuchen auf welche Seite wir letztendlich stehen.
Auf der, der Feministin, die für Gleichberechtigung kämpft oder auf der des chauvinistischen Schweins, der Frauen lieber hinter dem Herd in der Küche sieht, anstatt auf dem Tennisfeld.

FAZIT

Battle of the Sexes ist ein Treffer genau ins Schwarze. Bis auf kleine Längen und ein etwas getrügten Eindruck der Zeit, in der der Film spielt, ist alles herausragend Inszeniert. Schauspielerisch muss man nicht drum rum reden, das werden auf jeden Fall Oscar-Nominierungen hageln. Aber auch die Musik, die Atmosphäre die den Zuschauer immer bei der Stange hält und vor allem die großartige und tief berührende Geschichte rund um zwei Sportler, die für Grund verschiedene Sachen kämpfen. Alles in allem ist Battle of the Sexes einer der besten Filme des Jahres, der es mit Leichtigkeit schafft sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen.

8.2

Story

8.0 /10

Schauspiel

8.5 /10

Kamera

8.0 /10

Inszenierung

8.5 /10

Sound

8.0 /10

Pros

  • detailreiches Drehbuch
  • Carrell und Stone sind herausragend
  • Emotionale Spitzen
  • Packende und realistische Atmosphäre
  • Bleibt den realen Ereignissen treu
  • Schön erzählte und geschriebene Charaktere

Cons

  • Leicht getrübtes 70er Feeling
  • Längen

geschrieben am: 18. Dezember, 2017 um 3:09 pm