GAME KRITIK: BRÜTAL LEGENDS | SPÜRE DEN ROCK DER REVIEW

Werfen wir mal einen Blick zurück. 2009 erschien ein Spiel was sich komplett dem Rock und Metal verschrieben hat. Heute wollen wir alles noch einmal Revue passieren lassen und einen Blick auf das Titel werfen. Also holt eure Gitarren, Drums und Triangeln heraus. Zieht eure Plektren und Sticks denn jetzt geht es los!

 

Angestaubtes Kunstwerk

Nach sieben Jahren darf ein Spiel auch mal etwas gebrauchter und ramponierter aussehen. So ist es auch bei Brütal Legend. Alles wirkt in dem Spiel etwas abgenutzt, angestaubt und nicht mehr zeitgemäß. Wenn man aber bedenkt, dass es 2009 erschienen ist, dann ist es ein echt hübsches Spiel. Natürlich sind die Texturen wirklich matschig, die Animationen der Charaktere dürftig und die Weitsicht lässt deutlich zu wünschen übrig aber was erwartet man von einem Spiel das sieben Jahre auf dem Buckel hat?

In vielen Belangen macht das Spiel auch optisch einen guten Eindruck. Vor allem die Farben und die Lichteffekte machen echt Spaß anzusehen. Wenn wir als Spieler die Gitarrensaiten in Schwingung versetzen und andere Gegner mit einem Blitz elektrisieren, dann macht das Bock und sieht auch sehr lustig aus. Das komplette Spiel strotzt nur so vor absurden Ideen die total komisch umgesetzt wurden. Beispielsweise Arbeiter in einem Bergwerk, die dauernd headbangen sind einfach zum Brüllen komisch. Optisch ist Brütal Legend also absolut nicht mehr zeitgemäß – muss es auch gar nicht sein, solange es eine zum Spiel stimmige Optik bietet. Und genau das tut sie. Absolut schrill, abgedreht und überzogen. So muss Rock’n’Roll sein!

Jack is B(l)ack in Business

In dem extrem brutalen Abenteuer schlüpfen wir in die Rolle von Eddie Riggs, der von Jack Black (School of Rock, Tropic Thunder) synchronisiert wurde und als Vorlage dient. Eddie ist ein Roadie in der wohl schlechtesten Heavy Metal Band der Welt. Durch ein Unglück wird der Dämon Ormagöden beschwört, der alle Bandmitglieder tötet und Eddie mit sich in seine Fantasie-Welt zieht, in der die Menschen von Dämonen versklavt werden. Jetzt ist nur noch Eddie im Stande, dass Böse abzuwenden und die Welt zu retten.

Der Titel ist ein zusammenhangloser Krawall voller Zitate und Anspielungen der über die kompletten 10 Stunden Spielzeit fesselt und für jede Menge Action und Lacher sorgt. Die Geschichte ist teilweise absolut überzogen und kaum ernst zu nehmen. Brütal Legend will ein harter Rock’n’Roll Actioner sein und das ist er auch. Es wird ein wahres Klischee Feuerwerk abgeschossen und die Storyline ist komplett irrelevant. Das einzige was zählt ist die Gewalt und der Fun-Faktor und das stimmt alles perfekt zusammen. Daher ist es im Großen und Ganzen auch absolut egal, dass die Geschichte total an den Haaren herbei gezogen wird und sich selber nicht ernst nimmt, sowie auch keine großen Sprünge macht.

bl3

Die Schattenseiten des Rock’n’Rolls

Kommen wir mal zu einem kleinen Haken, an dem sonst so großartigen Open World Actioner. Die Technik an Brütal Legend ist früher nicht gut gewesen und ist auch durch Patches – die nicht erschienen sind – nicht besser geworden. In vielen Momenten hat das Spiel mit Rucklern und leichten Nachladeproblemen zu kämpfen. Auch die etwas einfältige KI frustriert. Wir können auf Gegner einhämmern, oder sie umgehen und solange von hinten auf sie einschlagen bis sie sterben. Eine große Gefahr stellt in dem Spiel nicht wirklich etwas da. Dafür nervt es aber nach einer gewissen Zeit merklich, dass man nicht gefordert wird. Wenn wir hoffen und betteln, dass uns endlich mal eine Herausforderung präsentiert wird, dann wird dieses Hoffen genommen und mit bösem und nervigen Button Smashing bestraft.

Apropos nervig, reden wir mal über das Taktik-System. Wir können in Brütal Legend mehrere Heere rekrutieren, die mit uns in den Kampf ziehen. Mit einem Knopfdruck rennen sie dort hin wo wir es wollen und greifen dort auch die markierten Gegner an, doch das ist in der meisten Zeit unfassbar umständlich und schmeißt einen komplett aus dem Spielfluss. Wir wollen einfach auf die Fresse hauen und alle mit der Macht des Metals besiegen und da passt ein Taktik-Modus so gar nicht rein. Leider ist dieser Modus im Spiel unumgänglich. Dafür kommen nach solchen Mechaniken immer direkt die nächsten Ideen und herrlich absurden Klischees die wieder einen Heidenspaß machen.

I’m on the Highway to Hell

Ein Spiel in dem es um Metal und Rock’n’Roll geht, braucht natürlich auch dröhnende Bässe und klirrende Schlagzeuge und die hat Brütal Legend auch ohne Ende. Der Soundtrack im gesamten Spiel untermalt das Spiel noch einmal mit einer gewissen Würze. Aber nicht nur der auf das Spiel perfekt abgestimmte Soundtrack ist großartig, auch die englische Synchronisation passt super zum Spiel.

Alles wirkt in der höchste Form überzeichnet und total übertrieben. Genau so muss auch ein Spiel über und mit Metal sein! Keine Sekunde in dem Spiel ist ohne Musik oder Töne und das zieht den Spieler immer weiter in die Spielwelt. Hier kriegen wir die komplette Farbpalette des Rocks und das passt in allen Belangen. Überall lässt sich der Rock spüren. So muss Sound und Musikuntermalung sein!

bl1

Wie ein Plektrum im Heuhaufen

Ein weiteres Problem was direkt auffällt, ist die Open World. Die Welt ist nie komplett gefüllt, Nebenmissionen gibt es selten und sind meistens recht irrelevant und die Wegfindung in dem Spiel ist die reinste Hölle. Eine Open World braucht eine gefüllte Welt in der wir viel machen können. Erinnern wir uns kurz an Mafia II, in dem die Open World eigentlich nur Fassade war und wir von Mission zu Mission gedüst sind. So ähnlich ist es auch in Brütal Legend. Wir setzen uns in ein zugegeben cooles Automobil und düsen durch die Open World. Doch das ist auch schon alles, denn wir eilen nur von Mission zu Mission und haben nichts, um die Welt zu erkunden. Die Größe und auch das Potenzial eine Welt zu füllen, wäre auch vorhanden gewesen, doch es fehlt an Abwechslung. So grinden wir Missionen ohne Sinn und Verstand ab und das trügt nach einer gewissen Zeit den Eindruck.

Das nächste Sorgenkind, die wenigen Nebenmissionen die aus stupidem Sammeln bestehen, was auf Dauer ganz schön nerven kann. Welcher Spieler möchte sich denn bitte immer und immer wieder damit aufhalten, bestimmte Sachen zu suchen und diese dann zu einer Person zu bringen? Daher lässt man die Nebenmissionen meistens auch einfach links liegen und widmet sich den Hauptmissionen.

Der dritte Punkt ist das Wegfindungs-System. Der Ort wird mit einem Lichtkegel wie auf einer riesige Bühne markiert. Ein nettes Konzept, wäre da nicht die Schwierigkeit, den Lichtkegel in der Third-Person zu erspähen. Sinnvoll gelöst, sieht anders aus. Denn einem schnellen abgrasen der Hauptmissionen ist damit ein Riegel vorgeschoben. Im Umfang hat Brütal Legend also viel mehr Schatten als Licht.bl2

Fazit

Brütal Legend ist heute wie damals ein absurdes und zum brüllen komisches Open World Action Adventure, was von seinem Soundtrack und den irren Ideen in der Geschichte lebt. Subjektiv betrachtet ist Brütal Legend ein sympatisch dämliches und unheimlich witziges Open World Adventure ohne Tiefe und ohne sichtliche Neuerungen im Genre. Der Soundtrack haut rein, das Zwerchfell kriegt auch seine Scheibe ab und das Spiel hat eine gute Laufzeit. Negativ fällt nur die nicht gefüllte Open World auf und die Wegfindungsschwierigkeiten. Auch ein Minuspunkt ist die leider sehr stumpfe Story, die zwar für unzählige Lacher und einen enormen Spaß sorgt, aber komplett ohne Überraschungen und für den Spieler sehr voraussehbar gestrickt ist. Im Großen und Ganzen ist es aber ein Spiel was sich unter die eher seltenen Vertreter der humoristischen Genretitel einreiht. Für Fans des Metals und Rock’n’Rolls auf jeden Fall noch heute ein absolutes Must Have.

7

Story

6.5/10

Grafik

6.5/10

Sound

9.0/10

Leveldesign

6.0/10

Technik

7.0/10

geschrieben am: 6. September, 2018 um 5:26 pm | zuletzt aktualisiert am 19. September 2018 um 11:08 pm

Autor:

Avatar

Johnny